Verwaltung legt Konzept für Friedhöfe vor / SPD schlägt Übernahme durch Investor vor

7. Juni 2016

So unterschiedlich jeder Mensch sein Leben gestaltet, so individuell sind am Lebensende auch die Vorstellungen von der eigenen Bestattung
oder der eines Angehörigen. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich die Einstellung zur letzten Ruhestätte verändert. Gefragt sind neue Konzepte, wie sie manche Kommunen bereits umgesetzt haben. Das soll nun auch in Bönen auf den Friedhöfen in Altenbögge und Nordbögge passieren. Die Frage dabei ist: Sollen Planung, Vermarktung und Kosten allein bei der Gemeinde liegen oder ist es sinnvoll , diese Aufgabe an private Unternehmer zu delegieren und damit das Risiko zu minimieren?
Immer weniger gefragt sind die klassischen Grabstätten, die über 30 Jahre lang gepflegt werden müssen, diese Erfahrung hat auch Carsten Wilke, Sachbearbeiter der Gemeinde Bönen, gemacht. Deshalb beabsichtigt die Gemeinde, ihr Angebot für Bestattungsformen zu erweitern.
Mit der Baumbestattung, Gräbern in Rasen, Urnenstelen und der Möglichkeit zur Verstreuung der Asche hat die Gemeinde bereits einige  Bestattungsformen ohne Pflegeverpflichtung im Angebot.
Jetzt hat die Verwaltung eine Beschlussvorlage erarbeitet, die im Fachausschuss vorgestellt wurde: Sie greift den Trend auf, der zu sogenannten
Themenanlagen geht. Geplant ist eine erste Bestattungsfläche für 50 Urnen auf dem Friedhof Altenbögge zum Thema Bergbau, der in der Gemeinde in der Vergangenheit eine zentrale Rolle gespielt hat. Eine Pflasterfläche mit Schlägel und Eisen sowie dunkles Gestein als Symbol für die einst in der
Gemeinde abgebaute Kohle und eine kniehohe Ziegelmauer, die an die Mauer erinnern soll, die das ehemalige Zechengelände von der Zechenstraße
trennt, sind als Gestaltungsmerkmale angedacht. In einer ersten Schätzung werden die Kosten von der Verwaltung mit 60000 Euro veranschlagt.
Auf dem Friedhof Nordbögge soll 2018 ein Baum als zentraler Anlaufpunkt das Angebot an Baumbestattungen erweitern. Um den Baum herum
sollen Pflasterkreise entstehen, in die bereits alle Edelstahlkammern für Urnen als Platzhalter eingelassen werden, da die Verwaltung davon ausgeht, dass sich das Wurzelsystem schneller entwickelt als die Bestattungsflächen belegt sein werden. Geplant ist dort, eine Auflage in die Friedhofssatzung aufzunehmen, dass Interessenten einen persönlichen Bezug zum Ortsteil Nordbögge haben müssen. Die Kosten für dieses Feld beziffert die Verwaltung mit rund 40000 Euro. Eine Refinanzierung des Konzepts „Themenfelder“ soll über die Friedhofsgebühren erfolgen. Um den
finanziellen Aufwand für die Gemeinde nicht von Sterbefällen abhängig zu machen, soll ein Vorabkauf der Bestattungsplätze möglich sein.
Kosten in Höhe von rund 100 000 Euro
Die SPD stimmte dem Entwurf nicht zu. „Es ist grundsätzlich positiv, dass die Verwaltung nach neuen Wegen sucht und ein erweitertes Angebot
vorschlägt“, so Sprecher Dirk Lampersbach für die Ausschussmitglieder der SPD. „Es ist aber nicht einzusehen, dass die Gemeinde insgesamt
100000 Euro finanziert und das Risiko trägt, obwohl ein Investor seit langem anbietet, ein Grabfeld zu pachten und in Eigenregie zu vermarkten.“
Bestattungsunternehmer Martin Schulte, der vor Kurzem die Trauerhallen auf den Friedhöfen in Altenbögge und Nordbögge von der Gemeinde
übernommen hat, bestätigte auf Anfrage, dass er bereits vor Jahren angeboten habe, ein Grabfeld zu übernehmen und zu vermarkten.
„Ich würde das unternehmerische Risiko tragen, die Gemeinde wäre entlastet“, so Schulte. „Die Entwicklung des Konzepts würde natürlich in Absprache mit der Gemeinde erfolgen.“
Ein Vorbild könne der „Garten der Erinnerungen“ in Gelsenkirchen sein, wo die Kommune bereits vor längerer Zeit Grabfelder an Unternehmer
abgegeben habe. Entstanden sei dort inzwischen eine attraktive Parklandschaft mit pflegefreien Grabstellen, die sehr gefragt seien.
Sein Angebot an die Verwaltung, einen Ortstermin in Gelsenkirchen zu machen, um sich dort Anregungen für ein zeitgemäßes Friedhofskonzept
zu holen, sei bisher auf wenig Interesse gestoßen.
Auch Lampersbach sieht in der Kooperation mit einem Investor eine „Win-Win“-Situation für die Gemeinde und letztlich für den Steuerzahler.
„Die Gemeinde bekommt einen attraktiven Friedhof, muss bei der angespannten Haushaltslage nicht in Vorlage gehen.“ Mit dem so im
Haushalt eingesparten Geld könne beispielsweise drei Jahre lang die Hallennutzungsgebühr finanziert werden.
Die Vorlage wurde mit neun zu sieben Stimmen an den Haupt- und Finanzausschuss verwiesen, der am 30.Juni im Rathaus tagt.

Quelle WA-Bönen