„Racheakt“ ist nicht Sozialdemokratisch

23. Januar 2016

Von Werner Lindemann

Klaus Herbst ist nie zimperlich mit seinen „Parteifreunden“ und Widersachern in der SPD umgegangen. Dass da auch schon mal der eine oder andere in Fraktionssitzungen von ihm „abgesaut“ wurde, ist längst durchgesickert. Und auch frühere Vorstände der Ortsvereine und des Gemeindeverbandes wissen ein Lied zu singen von seinem rigorosen und undiplomatischen Vorgehen. Und nach der SPD-Schlappe bei der Bürgermeisterwahl holte er gleich zum Rundumschlag gegen die örtliche Presse aus, die angeblich schmutzige Mittel im Wahlkampf eingesetzt hatte. Von Selbstkritik keine Spur.

Dass er dazu nicht fähig ist, werfen ihm die Kritiker in der eigenen Fraktion zu Recht vor. Klaus Herbst trägt sicherlich nicht allein die Schuld für den Verlust der absoluten SPD Mehrheit im Rat bei der Kommunalwahl 2014 und die deftige Niederlage bei der Bürgermeisterwahl. Aber er trägt aufgrund seiner geliebten Funktion als Fraktionsvorsitzender dafür Verantwortung. Bedauerlicherweise fehlt es ihm an der Größe, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Mit dem freiwilligen Rücktritt als Fraktionsvorsitzender hätte er ein Zeichen für den Neuanfang in der SPD setzen können. Aber er klebte am Amt. Und das änderte sich auch nicht, als ihm die Mehrheit seiner Fraktion das Vertrauen entzog. Wer sich so selbstherrlich verhält, sollte sich nicht wundern, dass er irgendwann mal öffentlich an den Pranger gestellt wird. Die Konsequenz, die er und seine vier Mitstreiter gezogen haben, ist nicht nachvollziehbar. Zugegeben: Die fünf sind in ihrem Wahlbezirk direkt und nicht über die Reserveliste der Partei in den Rat gewählt worden. Dass das Quintett nun eine „wilde“ SPD-Gruppe oder möglicherweise sogar eine eigene Fraktion im Gemeinderat bildet, um angeblich sozialdemokratische Politik zu machen, ist fragwürdig. Sozialdemokratisch ist dieses Vorgehen jedenfalls nicht. Letztlich blockieren sie damit nur den längst überfälligen Neuanfang in der SPD sowie eine Verjüngung des Personals in der Fraktion und im Gemeinderat.

Mögliche neue und junge SPD-Mitglieder schreckt das eher ab. Die Entscheidung von Klaus Herbst und seinen Getreuen kann eigentlich nur als unüberlegter„Racheakt“ gewertet werden. Die fünf nehmen sich selbst offenbar wichtiger als sie tatsächlich noch sind.

Quelle WA-Bönen